Wer als Stadtwerk in Zukunft erfolgreich sein will, muss mobil denken?

Durch die zunehmende Verbreitung von Smartphones stellen sich immer mehr Stadtwerke die Frage, ob eine App als Mittel der Kundenkommunikation das Richtige für sie ist. Die Fakten sprechen dafür: Das Smartphone ist inzwischen allgegenwärtig. Und ob Jung oder Alt – fast jeder ist heute mobil unterwegs. Das zeigen auch die Zahlen in der Wirtschaft. So hat Apple im Jahr 2015 über 155 Mrd. USD Umsatz erzielt – nur mit dem iPhone.

Und die Verbreitung des Smartphones wird weiter zunehmen. Schon heute ist es der Kommunikationskanal Nummer eins, und es wird mehr Zeit vor dem Smartphone verbracht als vor dem Fernseher. Auch das mobile Surfen liegt im Trend. Immer mehr Anwendungen wandern vom „klassischen Internet“ mit PC und Browser auf das Smartphone. Laut einer Studie von Google zeigt sich diese Entwicklung zudem in einem veränderten Suchverhalten: Während vom Desktop aus überwiegend allgemeine Anfragen gestellt werden, haben die Mehrzahl der Mobil-Suchen einen lokalen Kontext.

Obwohl sie technisch erscheint, spiegelt die Antwort auf die Frage, wie das Stadtwerk mit dem Thema Smartphone umgeht, sehr deutlich die Unternehmensstrategie wider. Energieversorger haben oft das Problem, dass Energie als „No-interest“-Produkt gilt. Die Kunden beschäftigen sich erst mit diesem Thema, wenn ihnen ihr Versorger die Jahresabrechnung schickt. Das Smartphone als innovativer Kommunikationskanal kann hier eine Lösung bieten.

Es reicht aber nicht, einfach auf eine passive Strategie zu setzen und zu hoffen, dass durch möglichst geringe Aufmerksamkeit nur wenige Kunden kündigen und zu kostengünstigeren Versorgern wechseln. Folglich würde man dann eine App anbieten, die ausschließlich energiewirtschaftliche Themen und Serviceprozesse beinhaltet. Konsequenterweise dürften dann aber auch keine neuen Produkte wie Smart Home, PV oder andere Energiedienstleistungen vertrieben werden, da diese eine aktive Kommunikations- und Vertriebspolitik voraussetzen. Wenn es das Ziel ist, die noch verbleibenden Jahre abzuschöpfen, dann ist diese Unternehmensstrategie vielleicht kurzfristig die richtige Entscheidung. Aufgrund des immer stärker werdenden Wettbewerbs kann sich ein derartiges „Verharren“ heutzutage jedoch fast kein Versorger mehr leisten.

Vielmehr ist eine aktive Strategie gefragt. Diese basiert auf zwei Stärken, die viele Energieversorger oftmals nicht wahrnehmen: Ihre lokale Bekanntheit und Verankerung. Das Unternehmen Stadtwerk hat für die Menschen in der Region einen besonderen Stellenwert: Es unterhält zu einem Großteil der lokalen Privathaushalte und Gewerbetreibenden eine historische Geschäftsbeziehung, sponsert Vereine und ist eng mit der Stadt vernetzt. Diese Bekanntheit – in Kombination mit der hohen Glaubwürdigkeit und dem Vertrauen in die Marke „Stadtwerke“ – erlaubt einen unmittelbaren Kundenzugang bei neuen Produkten. Aber wie lange gilt das noch? Das Kommunikationsverhalten ist im Wandel. Mit welchem Ansatz steht das Stadtwerk über das Smartphone, dem zukünftig dominierenden Kanal, im Austausch mit seinen Kunden, obwohl für diese die eigentlichen Energiethemen eher uninteressant sind?

Das Stichwort lautet: Lokalität. Der typische Kunde bewegt sich in seinem lokalen Umfeld. Er frühstückt eben nicht morgens in Paris, luncht in London und kommt erst abends heim an seinen Wohnort. Dieses bedeutet, dass lokale Informationen für ihn einen großen Wert besitzen. Fragen wie „Wo kann ich abends essen gehen?“, „Hat der Schuster noch geöffnet?“ oder „Welches Theaterstück wird am Wochenende gespielt?“ sind für ihn relevant. Die Antworten liefern doch Google, Yelp und Co., könnte man jetzt entgegenhalten. Aber ist das wirklich so? Mit wie vielen Mitarbeitern sammeln bekannte Recherche-Services wie Google eigentlich Informationen bei Ihnen vor Ort ein? Im Vergleich dazu hat selbst ein Stadtwerk in einer deutschen Kleinstadt verhältnismäßig viele Mitarbeiter, die mit hervorragenden Ortskenntnissen punkten. Das heißt: Einen klaren Willen vorausgesetzt, spricht viel dafür, dass das Stadtwerk mit der nötigen Unterstützung und dem richtigen Ansatz das beste lokale Angebot bieten kann.

Nehmen wir an, es gäbe nun ein lokales, aktuelles, gut gepflegtes und viel besuchtes Angebot mit städtischen Informationen, das regelmäßig genutzt wird. Wie kann das Stadtwerk dieses nutzen? Fakt ist: Ein häufig genutzter Kommunikationskanal mit entsprechender Reichweite hat enormen Wert, beispielsweise für die Gewerbetreibenden vor Ort. Wenn das Smartphone der Kommunikationskanal wird, wo sollen der Metzger oder der Friseur sonst werben? Wo soll die Kneipe seine Veranstaltungshinweise einstellen? Es liegt nahe, dass die Werbung in diesem Portal Geld kosten kann. Oder man muss zugleich Kunde des Stadtwerks sein, um überhaupt werben zu dürfen. Aus Lokalität ist mittlerweile ein eigenständiges Geschäftsmodell geworden.

Natürlich kann das Stadtwerk diesen Kanal auch selbst nutzen – und profitiert von einem Mehr an Effizienz: Über die App kann ein Solardach nicht nur hocheffizient beworben, sondern auch gleich spielerisch durch den Kunden selbst konfiguriert werden, um so Vertriebsaufwand zu sparen. Was für ein Solardach funktioniert, gilt natürlich in gleichem Maße für alle anderen zukünftigen EDL-Produkte, wie beispielsweise Smart-Home-Komponenten.

Fazit: Wer eine aktive Strategie verfolgt, kommt heutzutage um das Thema Smartphone nicht herum. Und gerade in Zeiten sinkender Margen ist der Gedanke, aus Lokalität ein Geschäftsmodell zu entwickeln, vielleicht nicht ganz uninteressant.

 

(Artikel von Malte Kalkoffen, Geschäftsführer endios GmbH)

 

 

https://www.euroforum.de/stadtwerke/lokalitaet-das-geschaeftsmodell-der-zukunft/

 

 

Photo by: Unsplash